28. September 2020

Wo wir besser werden müssen: Eine erste Bilanz

Im Frühsommer 2019 wurden Fragebögen zur Nutzung von kiezdemokratie.de an die 80 registrierten Kiezdemokrat*innen verschickt. Die Rückläufe gaben wichtige Hinweise, wo das Verfahren besser werden muss: eine Klärung, welche Rolle es in der Meinungsbildung im Möckernkiez spielen kann und eine übersichtlichere Bedienung der Plattform.

Die Beteiligung an der Umfrage war mit 18 Rückläufen mäßig, 10 davon kamen von regelmäßigen Nutzer*innen („mehr als 5x abgestimmt“). Sehr belastbar ist das Ergebnis also nicht, die Voten bieten aber Anhaltspunkte für ein paar – vorsichtige – Thesen. In der Auswertung werden hier nur eindeutige Auffälligkeiten genannt.

1. Die Nutzung der Sozialen Medien hat wenig Einfluss auf das Mitmachen bei kiezdemokratie.de, nur ein Kreuzchen gab es bei „Ich bin in verschiedenen facebook und whatsapp-Gruppen, da gibt es genug Austausch über die wichtigen Dinge“. Allerdings konstatiert rund die Hälfte der Rückläufe „eine gewisse Internetmüdigkeit“.

2. Keine entscheidende Rolle scheint auch der – in den Argumenten für kiezdemokratie häufig vorgebrachte – Zeitfaktor bei dieser Form der Partizipation zu spielen. Nur 30% stimmen dem Item zu: „Ich habe wenig Zeit, zu Sitzungen zu gehen. Über kiezdemokratie kann ich trotzdem mitmachen.“

3. Überraschend eindeutige Ergebnisse ergeben sich bei den Fragen nach dem Nutzen dieser Form des Austausches. „Im Möckernkiez wird überall über alles geredet. Ich erkenne den Sinn/Nutzen für kiezdemokratie nicht so recht.“ – Dieser Meinung sind nur 20%. Viele finden es interessant, „ohne große Diskussionen die Ideen anderer mitzubekommen“ (75% Zustimmung, 5% Ablehnung) und haben manchmal „im Verlauf einer Abstimmung ein paar neue Ideen/Gedanken/Sichtweisen bekommen“ (65% ja, 15% nein). Nur eine*r meint, dass schriftliche Diskussionen keinen Spaß machen.

4. Woran liegt es dann, dass kiezdemokratie.de sowenig genutzt wird? (Nur?) jede*r vierte meint, dass das Programm zu kompliziert sei und man sich darum nicht weiter beteiligt hat. Das sind alles Nutzer*innen, die weniger als fünf mal mitgemacht haben. Wer sich häufiger beteiligt, scheint das Programm nicht so schwierig zu finden.
Auffallend ist eine gewisse Unentschlossenheit, ob die Themen interessant und wichtig sind (45% Zustimmung, 45% Enthaltung). Als Schwachpunkt empfinden viele, dass man nicht erkennen kann, wie/ob es nach einer Abstimmung weitergeht. Dementsprechend findet das Item „Kiezdemokratie muss in die bestehenden Entscheidungsstrukturen eingebunden werden, damit die Abstimmungen einflussreich/wirksam sind“ eine hohe Zustimmung (60% ja, 15% nein).

Insgesamt bestätigt das Ergebnis die bekannten Schwachstellen von kiezdemokratie.de im Möckernkiez:
• Unklarheiten über die Funktion der Plattform im Möckernkiez
• keine Einbindung in Entscheidungsstrukturen
• wenig selbsterklärende Programmfunktionen/Oberfläche mit einer verwirrenden Begrifflichkeit, die die Hürden für Einsteiger*innen hoch macht.

Und was meint Ihr? Kommentare ausdrücklich erwünscht.

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