3. August 2020

Das Experiment wird beendet

Einstellen oder ausbauen? Das war die Frage, nachdem die positiven Rückmeldungen auf die Veränderungen im Herbst sich nicht in eine bessere Teilnahme an den Abstimmungen niederschlug. „Soll kiezdemokratie.de eingestellt werden?“ lautete darum die letzte Abstimmung, und das Ergebnis ist eindeutig: Mit nur sieben Abstimmenden ist das Desinteresse an kiezdemokratie.de noch einmal bestätigt worden. Das bedeutet: Die Testphase wird nicht verlängert, kiezdemokratie.de läuft mit Ende des Provider-Vertrages im November 2020 aus.
Wir werden noch eine umfassendere Auswertung unseres Versuchs vornehmen, eine digitale Form der Beteiligung und Mitbestimmung im Möckernkiez auszuprobieren. Diese werden wir demnächst auf der Webseite veröffentlichen.

Die Pandemie als Chance für digitale Demokratie?

Im Zuge der Diskussion um die Einstellung haben uns auch Stellungnahmen erreicht, die sich für eine Weiterführung gerade in Zeiten der Pandemie-Einschränkungen  aussprechen.

Andreas Böttcher, der uns beim Aufbau von kiezdemokratie.de begleitet, findet, gerade in Zeiten der Krise sind solche Instrumente wichtig. Hier seine Replik auf die Frage, kiezdemokratie.de demnächst einzustellen:

„Durch die Corona Seuche ist eines schmerzlich deutlich geworden: unsere moderne Welt ist verletzlich. Wir können zur Zeit nur durch das Absagen von Veranstaltungen, Einstellen von Treffen größerer Gruppen, schlichtweg durch soziale Isolation entgegenwirken. Trotzdem müssen Entscheidungen getroffen werden. LiquidFeedback bietet hier eine Möglichkeit, handlungsfähig zu bleiben.
Ich fände es schade, diesen zukunftsweisenden Ansatz, welcher auch bei zukünftig absehbaren Krisen dieser Art ein richtungsweisendes Modell sein könnte, gerade jetzt zu beerdigen. Sicherlich ist die Beteiligung bisher nicht toll, aber wäre es nicht gerade jetzt sinnvoll, den Ansatz am Leben zu halten und aus naheliegenden Gründen sogar weiter zu entwickeln? Einen besseren Grund dafür, als eine solche Pandemie kann es doch kaum geben!

Jens Hakenes findet gerade in Pandemie-Zeiten eine Plattform wie kiezdemokratie wichtig und hat Anregungen gemacht, wie kiezdemokratie verbessert werden müßte. „Ich finde, wir sollten gerade jetzt versuchen, Kiezdemokratie bekannter zu machen – und dazu anregen, Kiezdemokratie einfach mal auszuprobieren. Wir werden uns wegen des Corona-Virus noch einige Zeit nur sehr eingeschränkt treffen können und brauchen daher mehr denn je Alternativen für Beirat, Hausgruppen, Arbeitsgruppen etc.
Vielen dürfte es allerdings ähnlich gehen wie mir gerade jetzt: Ist das hier überhaupt ein „Verbesserungsvorschlag“? Oder müsste ich nicht eigentlich eine „konkurrierende Initiative starten“? Ich weiß es nicht. Denn bisher habe ich nur ab und an hinein geschaut; aktiv genutzt habe ich Kiezdemokratie bisher leider noch nicht. Und das, obwohl ich quasi ständig online bin und viele verschiedene Online-Werkzeuge nutze…
Was könnten wir tun, um Kiezdemokratie bekannter zu machen? Gibt es vielleicht schon ein Video oder eine Präsentation, die eine Abstimmung von vorne bis hinten durchspielt? Wie wäre es, das in einem Online-Meeting live mit Interessenten durchzuspielen, um auch gleich Fragen zu beantworten? Was haltet ihr von einer virtuellen Kiezdemokratie-Sprechstunde, mehrfach oder gar regelmäßig? Oder von einem Podcast dazu? Habt ihr andere Ideen? „Gerade jetzt ist kiezdemokratie wichtig!“